Annehmen, was ist – Vielfalt innen und außen
Diesen Herbst möchte ich meine Arbeit mit einem meiner Lieblingsgedichte von D.M.Rumi er-öffnen:
Bald bin ich licht, bald bin ich trüb,
bald hart, bald weich,
bald bös, dann gut,
bin Sonn und Vogel, Staub und Wind,
so Mond, als Kerze, so Strom wie Glut,
bin arger Geist, bin Engelkind,
Alles, alles ist gut!
Ich erlebe es als ganz wesentlich, all die unterschiedlichen Facetten unseres menschlichen Seins annehmen zu lernen. Gerade dadurch kann sich unser eigener Weg, unsere Einzigartigkeit und unser Selbstausdruck herauskristallisieren.
Ich bleibe im Atem. Ich bleibe präsent – verbunden mit mir und in meinen Beziehungen
Es gibt unzählige Bilder, Modelle, 'Vor-stellungen' die uns den Bezug zur eigenen Lebendigkeit 'ver-stellen' - die das, was wir spüren, bewerten und ausschliessen wollen. Ich sollte doch so empfinden. Ich müsste doch anders reagieren!!! Durch dieses Ausschliessen entsteht Orientierungslosigkeit. Wir fällen Urteile über uns selbst und andere - es enteht Enge. Es bleibt uns der Atem weg, der Körper blockiert, die Stimme gerät unter Druck oder zieht sich ganz zurück.
Wenn ich hingegen die Weite meiner Erfahrungsräume annehmen lerne , kann ich wieder meine eigene Spur aufnehmen. Ich werde empfänglicher für das, was sich in mir bewegt, und folge meiner Intuition. Ich stimme und be-stimme. Ich komme in Resonanz mit mir selbst und mit anderen. Ich werde beweglicher, durchlässiger und kann mich immer wieder vom Leben und von meinen Begegnungen überraschen lassen. Es entsteht genau ein Gefühl von Getragen-Sein: nicht weil alles immer gut oder leicht ist, sondern weil alles da sein darf.
In meiner Arbeit möchte ich die Teilnehmer*innen dabei unterstützen, in diese Weite und Durchlässigkeit zu kommen – über Körper, Atem und Stimme und auf sehr lustvolle Weise übers Spielen & Improvisieren...um immer mehr von dem was in uns ist, zum Ausdruck zu bringen. In diesem Sinne möchte ich nocheinmal mit Rumi schliessen: 'Komm' komm' wer immer du bist!